Mit Obelixen in Mainz

Ein Nachholspiel auf einem Mittwochabend um 18:30 Uhr. Äußerst ungünstig, nur machbar mit Kraftakt-Fahrt oder Übernachtung. Deshalb fand sich dieses Mal auch nur eine Handvoll Grenzenloser für eine Auswärtsfahrt, die zudem alle einzeln begingen. Schon auf der Zugfahrt gen Frankfurt ließ sich erahnen, dass es ein feuchtes Abenteuer werden wird. Alle Flüsse waren über die Ufer getreten und ganze Felder unter Wasser. Es fühlte sich zeitweise an wie eine Fahrt über den Hindenburgdamm gen Sylt, von Wasser umgeben.

Der Transfer gen Mainz klappte reibungslos, rasch ins Hotel eingecheckt und weiter per Bus in die Peripherie. Die letzten 2 Kilometer dann zu Fuss durch den Campus der Hochschule Mainz und übers Feld hin zum in der Walachei gelandeten Ufo Mewa-Arena (was ist ein MEWA?). Durch den Dauerregen gleich das erste Mal richtig nass geworden – dafür aber ein problemloser Einlass. Die Grenzenlosen waren schnell ausgemacht und ein Platz im Stadion gefunden und bebannert.

Der 12-minütige Protest fiel in Mainz sehr einseitig aus, während die Unioner schwiegen und die Szene erst verspätet ins Stadion kam, brachen die Mainzer das Schweigegelübde und feuerten ihre Mannschaft auch mit Pyrotechnik an. Das war natürlich ein supporttechnisches Ungleichgewicht, was sich zum Glück nicht auszahlte. Die Flummi und Tennisball-Pause wurde dann auch nur sehr einseitig vor der Gästekurve zelebriert, was dem Gros des Mainzer Publikums überhaupt nicht gefiel und in einem Pfeifkonzert gipfelte.

Dann wurde statt Tennis aber wieder Wasserball gespielt und nach einem Pfosten und Lattentest der Unioner freundete sich der bestimmt zweimeterfünfzig große Ajorque mit Knoches Schuhwerk an. Der vermutlich fällige Elfmeter wurde als Eckstoß ausgeführt und der deutlich kleinere Stürmer der Mainzer verwandelte diesen per Kopf. Gut das Gosens Artistik studiert und seine eingesprungenen Flugeinlagen am langen Pfosten perfektioniert hat. So ging eine gute und unterhaltsame erste Hälfte leicht verspätet zuende. Die zweite Hälfte war Murks, aber das Ergebnis wurde gehalten.

Nach Abpfiff trollten sich die Grenzenlosen auf verschiedene Heimwege oder in ihre Unterkünfte. Dank Hotel in Mainz stand am nächsten Tag eine Stippvisite am alten Mainzer Stadion am Bruchweg an. Dank freundlichem Platzwart standen die Tore offen und man konnte sich umsehen. Immernoch das schönere Stadion in Mainz. Trotzdem wieder bis auf die Knochen nass. Kurz im Dom Danke für den Punkt gesagt und dann im Gutenberg Museum den Buchdruck gelernt. Kinderspiel.

Kindisch waren auch die einheimischen Bewohnerinnen und Bewohner, die verwirrenderweise als Hühner oder Känguruhs durch die Gegend liefen. Als Karnevallegastheniker vermutete ich Junggesellinnenabschiede oder dergleichen und flüchtete umgehend vor einer Horde Obelixe. Die nassen Schuhe trugen mich noch zum römischen Theater – sowas haben wir schließlich in Berlin nicht. Die Römer hatten praktischerweise gleich eine S-Bahnstation im Theaterbau mit eingeplant samt Direktanschluss nach Frankfurt. So gelang die Heimfahrt klamm, aber problemlos.

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