Toms Reisebericht: Haifa

Reisende: CarstenFCU, Dennis (als Vorhut schon ein paar Tage vorher), Dominik, Grobi und Cuttertom


25.11.2021 3:30 – BER

Los ging es am Donnerstag in aller Frühe um 3:30 am BER. Fast leere Abfertigungshalle, vereinzelt nur noch nicht so ganz wache Gestalten. An den rot-weißen Accessoires ist das gemeinsame Ziel erkennbar: Haifa!

Die Bezugsgruppen finden sich und alle drängt es an den Schalter. Reisepass, Einreisebewilligung, PCR-Test vom Vortag und Impfnachweis aus dem Stapel notwendiger Dokumente werden herausgesucht. Kurze Blickwechsel, Foto mit dem lebenden Original vergleichen, alles ok. Boardkarte wird ausgestellt.

„Ihr fliegt zum Fußball?“ fragt ein Kontrolleur am ersten Sicherheitscheck.“Ja?“, antworte ich  etwas argwöhnisch. Schließlich bin ich wie alle hier ziemlich deutlich als Nicht-Herthaner zu erkennen. Ist es der subtile Versuch mir irgendwelche Informationen zu entlocken, die ich ob der frühen Stunde nicht verstehe?“Gegen wen?“ – „Haifa.“ – „Na dann, Guten Flug und viel Erfolg.“ Nichts Geheimnisvolles, nur Smalltalk.

Da der BER wohl sich der Gesundheit seiner Fluggäste verpflichtet fühlt, gibt es keine Laufbänder. Der Schrittzähler jubelt. Endlich am Gate angekommen folgt ein zweiter, etwas intensiverer Sicherheitscheck. „Geschafft“ sage ich, während der andere Teil der grenzenlosen Reisegruppe noch vor dem zweiten Sicherheitscheck im Raucheraquarium Vorbereitungen trifft.

6:25 – immer noch BER, aber auf dem Rollfeld

Takeoff! Ab jetzt rund 4 Stunden Zeit die Schlaflosigkeit der letzten Nacht mit Intensivdösen zu verdünnen. Leider korreliert Intensivdösen nur wenig mit bierseliger Feierlaune anderer Mitreisender. Podcasts und Netflix sind gute Alternativen um bei Laune zu bleiben.

12:00 – Anflug auf und Landung in Tel Aviv

Die Einreise gestaltet sich einfacher als gedacht. Guides helfen uns durch den Flughafen und zu den verschiedenen Sammelpunkten. Nach dem Zoll erwartet uns eine große Halle mit ca. 50 Testplätzen, an denen der, bei Einreise obligatorische  PCR-Test durchgeführt wird. Da die Behörden hier aber nicht garantiert in 4 Stunden das Ergebnis sicherstellen, geht es mit dem Bus gleich weiter zum nächsten Test in ein Einkaufszentrum in der Airport-City. Der Anbieter verspricht hier ein Ergebnis binnen 4 Stunden. Spoiler: das wird teilweise knapp.

Von dort aus geht’s nun von Tel Aviv auf eine gefühlt eine Saisonhälfte währende Fahrt zum Hotel nach Haifa. Irgendwann rettet der Versuch soviel möglich zu schauen, weil ma ja nur so kurz da ist, auch nicht vor der Angst nicht rechtzeitig im Stadion zu sein.

17:10 – „Nur kurz“ ins Hotel

Im Hotel angekommen gibt es in einem Konferenzraum einen kleinen Empfang mit Einchecken und Schlüsselempfang. Erste Testergebnisse trudeln auf den Telefonen ein. Blöd nur, wenn das eigene schweigt. 10 vor 18:00 Uhr  sind immer noch nicht alle Ergebnisse da. Neben meinem fehlt auch das von Dominik. Er kommt mit der Info, es könne noch 90 Minuten dauern. Innerlich ein kleiner Zusammenbruch, so kurz vor der Ziellinie. Soll es jetzt noch schiefgehen? Aber dann: 18:20 Uhr, das neagtive Ergebnis ist da! Rein in den Bus und ab zum Sammy-Ofer-Stadium.

Ähnlich wie bei der Fahrt von Tel Aviv nach Haifa ist der Verkehr mit dem Berlins nur dann vergleichbar, wenn DB und BVG gemeinsam streiken und Radfahren auch verboten ist. Zum guten Schluß steigen wir irgendwo mitten auf der Straße aus und marschieren schnellen Schrittes zum Stadion. Immer wieder geleitet von EinwohnerInnen und Polizei erreichen wir erschöpft den Gästeeingang. Kurz die Greencard und das Ticket vorzeigen, kurzes abklopfen und schon dann ist man drin.

19:45 – Mit Anpfiff sind wir im Stadion

Und endlich findet das statt, weswegen wir den ganzen Irrsinn unternommen haben – UNION spielt in Haifa ein Pflichtspiel! Was immer noch verdammt wahnsinnig ist. Zumindest ich empfinde jetzt so etwas wie eine abfallende Anspannung. Banner aufhängen (wir hatten es natürlich bei) hatte die UEFA unter Strafe gestellt, weswegen wir es liessen. Die erste Halbzeit verläuft unaufgeregt. Die gegnerischen Fans zeigen, dass sie stimmungstechnisch mit Europa mithalten konnen. Insgesamt ein modernes Stadion, in dem man selbst aus dem Gästeblock gut das Spiel gucken kann. Das alles sind Eindrücke, die man mitbekommt, weil eben das Abtasten beider Teams gefühlt 45 Minuten dauert. Halbzeitpause, irgendwer kommt auf die Idee, man müsste eigentlich noch was essen. Die Wahrscheinlichkeit nach dem Spiel dieses zu tun, ist minimal. Also Hotdogs, labrige Pommes oder Popcorn?

In der zweiten fühlt man nun die Anspannung  des besonderen Spiels und der erlösende Treffer von Julian in der 66ten(!) läßt die Anspannung eher noch ansteigen bis der Schlußpfiff die Gewissheit bringt: Verdient glücklich Einszunull gewonnen. 

Ein Lied wurde geboren. Und der Gastgeber weiß, was es heißt, wenn man vom Gesang durstig ist – es gibt im Stadion literweise Freibier! Okay, es war alkoholfrei. Aber schon geil.

23:00 – Hotel und Alkohol

Gegen 23:00 Uhr sind wir wieder im Hotel und versuchen die Hotelbar leer zu trinken. Vernünftiger als andere brechen wir um 2 uhr zu unseren Zimmern auf. Aber vielleicht schwächelten wir auch nur eher als die, die den Ausgang einer örtlichen Bar erst um 10:10 Uhr am nächsten Morgen fanden (unter diesen ein Busreiseleiter).

26.11.21 9:30 – Frühstück und Freizeit

Um 10:00 Abfahrt nach Tel Aviv für alle. Ach ja, bis auf die, die noch in der Bar sind.Zwei einhalb Stunden später in der Altstadt von Tel Aviv, dann 90! Minuten Freizeit. Eine zügige Runde ist drin. Mit Bannerfotos, Essen und dem sich verfestigenden Wunsch, hier nochmal für eine längere Zeit her zu müssen.

Danach heisst es: alle wieder zum Flughafen David-Ben-Gurion. Das Einchecken gestaltet sich für jeden unterschiedlich. Abhängig von vorherigem Reisegeschehen gibt es mehr oder weniger strengere Kontrollen. So unangenehm das für die jeweiligen Betroffenen ist, sind wir aus dem sicheren Europa kommend, sicher nicht in der Position, diese ernsthaft kritisieren zu können. Pro-Tipp: kein Stempel aus einem muslimischen Land erleichtert die Ausreise erheblich.

21:30 – Wieder BER

Am Ende sind alle wieder im Flugzeug nach Berlin. Stimmung im Flieger ist allgemein gut und es wird immer wieder gesungen. Das Bordpersonal ist super nett. Gegen 21:30 am BER gelandet, folgt die Passkontrolle. Das bedeutet in diesen Zeiten nicht nur Reisepass, sondern eben auch Impfpass.

Die am entfernungsreichste wie an Eindrücken intensivste Auswärtsfahrt endet.

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