Sweet Caroline in der Alten Försterei

(This article is also available in English)

Normalerweise fängt man bei einem kleinen Erlebnisbericht eines wunderschönen Tages auf dem Wasser und dem schönsten Stadion der Welt nicht mit dem Ende des Tages an. Allerdings muss ich an dieser Stelle mit dieser allgemeingültigen Regel etwas brechen, denn den ganzen Abend, dem Weg nach Hause und vor allem heute Morgen, als ich aufgewacht bin, „verfolgt“ mich – und wahrscheinlich viele andere auch – das Lied „Sweet Caroline“ von Neil Diamond aus dem Jahre 1969. Warum? Einige Minuten nach dem Spiel, die Ränge hatten sich schon etwas gelehrt, dröhnte auf einmal dieser wunderbare Klassiker aus den Stadionboxen und Gästefans und Unioner:innen sangen gemeinsam Sweet Caroline. Mein Ohrwurm für die nächsten Stunden war geboren und selbst heute Morgen noch mächtig präsent und meine 15-jährige Tochter ziemlich beeindruckt. Für alle, die nicht wissen, wovon ich rede, dann klickt einfach mal hier rein und überzeugt euch, was ein Lied in den Stadien dieser Welt vermag: Es verbindet alle Fanlager und selbst viele Spieler stimmen in den Song mit ein! Nun aber wirklich der Reihe nach und von Beginn an.

Als unser Verein vor einigen Wochen bekannt gab, am 9. Juli ein Testspiel gegen den Bohemians Football Club angesetzt zu haben, war die Freude bei vielen Mitgliedern in unserem Fanclub riesengroß. Denn mit den Bohs – die eigentliche und gebräuchliche Abkürzung des Vereinsnamens, lasse ich an dieser Stelle einmal weg, um nicht Irritationen auszulösen – kündigte sich der älteste durchgängig bestehende Fußballklub Irlands sein Kommen an. Was den Verein noch sympathischer macht, ist die Tatsache, dass der Verein ausschließlich den Mitgliedern des Vereins gehört und klebrige Brausehersteller, Scheichs und Oligarchen genauso verachtet werden wie bei uns. Durch Kontakte einiger Mitglieder von uns zu einigen in Berlin lebenden Fans der Bohs konnte schnell Kontakt zu den Bohs in Irland geknüpft werden und uns war klar, dass wir nicht nur das Spiel im Stadion gemeinsam sehen wollen, sondern auch den Iren eine gemeinsame Anreise zum Spiel mit der VIKTORIA von der Eddyline ermöglichen möchten.

Aus Irland kam schnell Rückmeldung, dass ca. 1000 Fans der Bohs ihre Mannschaft in unserem Stadion mit unterstützen wollen und eine gemeinsame Bootsfahrt bzw. Anreise eine geniale und tolle Idee wäre. Schnell war mit der Eddyline geklärt, dass das Ganze stattfinden kann, und gingen in die Organisation, denn unser Ziel war es, das ganze Boot zu füllen. Schnell kam aus Dublin die Rückmeldung, dass ca. 60 Iren an der Bootsfahrt teilnehmen würden und auch bei uns war schnell klar: die 99 Plätze auf der Viktoria bekommen wir voll. Und so war es dann auch: Pünktlich 10.30 Uhr war die Anhängerschaft unseres Vereins komplett allerdings von irischer Seite waren lediglich 2 Bohs am Anleger an der Fennbrücke in Moabit vertreten. So langsam stellten wir uns die Frage: Können wir unser Versprechen gegenüber der Eddyline halten und zusammen zum Spiel schippern? Nach einigen bangen Minuten und Telefonaten war klar: Viele der angereisten Iren hatten eine ausschweifende Partynacht hinter sich und wohl den Wecker nicht gehört. Aber für die Bohs kein Hindernis. Ab in die Klamotten, rein ins Taxi, ab zur Fennbrücke und Frühstück in Bierform auf dem Dampfer – Unionlike eben auch das.

Mit einer 15-minütigen Verspätung konnten wir dann doch mit der nun voll besetzten VIKTORIA, unter den Klängen unserer Vereinshymne ablegen und die Tour quer durchs Regierungsviertel, Zentrum bis zur Altstadt Köpenick genießen. Selbstverständlich donnerten über die Boxen des Schiffs die ganze Fahrtzeit hinweg alle möglichen Songs mit Unionbezug. Unterbrochen wurde die Playlist nur von wechselnden Gesängen der mitgereisten Iren und der Unioner:innen. In der Altstadt angekommen – natürlich wieder in voller Beschallung der Umgebung mit unserer Hymne, trafen wir uns alle noch vor dem Schiff für einige gemeinsame Fotos. Mit an Bord und ebenso sangesfreudig auch einige Unioner:innen der 15 Flitzpiepen, der Ziegenunioner sowie der Union Rebellen.

Die Ergebnisse unserer Fotosession findet ihr in unserer Bildergalerie etwas weiter unten. Zusammen legten wir dann noch den Weg zum Stadion zurück – dann trennten sich unsere Wege. Ein gemeinsamer Ausklang des Abends bei Gegrilltem und ausreichend Kaltgetränken hatten wir bereits einige Tage zuvor aufgrund des Fehlens einer passenden Lokalität verworfen. Aber auch ohne den gemeinsamen Ausklang waren unsere irischen Gäste vom bisherigen Verlauf des Tages schwer begeistert und für uns war klar: Wir wollen einen Gegenbesuch! Im Stadion dann fast 16.000 Besucher und einen schön gefüllten Gästeblock mit vielen Bannern und Zaunfahnen zu sehen, war einmalig. Wie so üblich bei Testspielen, ist das Ergebnis eigentlich völlig nebensächlich.

Zwar haben unsere Fußballgötter den Kick gewonnen, aber es war recht schnell zu sehen, dass unsere Mannschaft noch einen ordentlichen Abstimmungsschluck aus der Trainingspulle nehmen muss. Dafür hat unser Trainergott Urs nun knappe 4 Wochen Zeit. Das Tor der Iren zum 2 : 1 Endstand wurde vom Anhang der Bohs so frenetisch bejubelt, als ob die Bohs gerade die irische Meisterschaft und die Champions League im Paket gewonnen hatten. Aber irgendwie konnte ich das nachvollziehen. Denn auch wir als Verein kennen ja diese Situationen zur genüge, vor allem aus früheren Zeiten: Union spielt gegen einen „Großen“, bekommt einige Tore eingeschenkt und unser Ehrentor wird dann gefeiert, als ob es kein Morgen gibt. Mit Sweet Carolina über die Stadionboxen endete dann zumindest im Stadion ein wunderbarer Fußballtag und wurde an den Zapfsäulen der Bierfässer zusammen bis weit in den Abend hinein schlussendlich mit ausreichend Gerstensaft begossen.

Unschöne Nachrichten erreichten uns dann alle nach dem Spiel, die für Unioner:innen einfach unwürdig sind und uns als große Union-Familie sowie unserem Verein immens schaden. Und bevor wieder einige behaupten: Wir wurden provoziert, denen sei klipp und klar gesagt: das ist absoluter Quatsch. Niemand hat hier irgendjemanden provoziert, mal davon ganz abgesehen, dass der Torjubel keine Provokation ist, den auch wir in jedem Stadion dieser Republik regelmäßig genauso praktizieren. Ein Mitglied von uns war zu diesem Zeitpunkt an der Straßenbahnhaltestelle und konnte alles genau beobachten und gehörte zu den Unioner:innen, die versucht haben einzugreifen und erste Hilfe zu leisteten. Seine kurze Mitteilung zum Vorfall: „Das Ganze ist recht schnell nach Spielabpfiff passiert. Ich habe auf die Tram gewartet, die Jungs haben auf jeden Fall Deutsch gesprochen und sind ziemlich “druff” gewesen. Haben die Iren attackiert, weil die zu sehr gefeiert haben. Viele Unioner, ich eingenommen, sind dazwischen gegangen und haben sich um die Iren gekümmert. Aussage eines Angreifer, in sehr schlechtem Englisch: don’t make the macker here. It’s our stadium.“

Diese Aussage macht uns alle fassungslos. Vielleicht lesen es ja einige Beteiligte bzw. wird ihnen übermittelt: Habt ihr euch den letzten Rest Verstand weggesoffen? Und zu guter Letzt auch noch das Banner zu klauen (völlig egal ob, es die gleichen Unioner waren oder andere)? Was stimmt bei euch nicht? Es waren aufseiten der Iren weder Ultras noch Hools vertreten, sondern Familien und einfach nur Fußballfans, mit denen wir keinerlei Rivalität haben, im Gegenteil: Dieser irische Verein lebt den Fußball in gleicher Weise wie wir und sieht vieles ähnlich, was das Thema „Fußball pur“ angeht. Ja, es waren vielleicht nur 10 Unioner von knapp 15.000 aber eben diese 10 Unioner haben es geschafft, uns einen wunderbaren Fußballtag zu vermiesen. Wie wir alle heute in den Kommentaren beim SotU lesen konnten, haben Unioner:innen bereits im Stadion (Sitzplatztribüne!!) mit eindeutigen Gesten Richtung Gästeblock ihre Geisteshaltung zum Ausdruck gebracht – in Anwesenheit von vielen Kindern in diesem Bereich! Ich hoffe, dass es dazu innerhalb unseres Vereins klare Worte und eine Aufarbeitung gibt. Wir hoffen und wünschen den verletzten irischen Fans eine schnelle Genesung.

Hoffentlich behaltet ihr euren Berlinausflug trotz allem in guter Erinnerung! Und ein letztes Wort noch an die Unioner, die das Banner entwendet haben: GEBT DAS BANNER ZURÜCK! Wenn ihr nicht wisst wie, gebt es einfach bei unserem Verein ab. Das Forsthaus hat mit Sicherheit eine Postadresse für ein kleines Paket nach Dublin!


Sweet Caroline at the „Alte Försterei“

Usually you don’t start the report about a wonderful day on the water and in the most beautiful stadium in the world with the end of the day. However, I have to break this common rule a bit, because the whole evening, the way home and especially this morning, „haunts“ me – and with me probably many more – the song „Sweet Caroline by Neil Diamond from the year 1969. Why? Several minutes after the game, the stands have already cleared a bit, suddenly this classic roared out of the stadium speakers and Union as well as guest fans sang along together. My „ear worm“ for the next hours was born und even this morning it was very present and my 15 year old daughter really impressed. For all those who do not know what this song can do to a stadium crowd, click here and convince yourself what this song is capable of: it connects opponent’s fan groups and even a lot of players sing along! But now really first things first.

When our club announced a few weeks ago to play a test game against the Bohemian football club, some members of our Fanclub were really enthusiastic. Because with the Bohs – I will not mention the common abbreviation of the club’s name to avoid irritations – the oldest continuously existent Irish football club was announced. What makes the club even more sympathetic is the fact that the club is completely owned by fans and sticky soda producers, sheikhs and oligarchs are as popular there as for us. By using the contact of our Fanclub members to fans of the Bohs who live in Berlin, we quickly could connect with the Irish Boh fans and we realised that we do not only want to see the game with the them, but also that we want to offer a common way of travel to the game with the boat VIKTORIA by Eddyline. From Ireland, we quickly got the Feedback that around 1000 Fans of the Bohs wanted to support their team in the stadium and really loved the boat trip to the game. We organised with Eddyline and the Irish fans that around 60 ones of them would join the boat trip and also from our side it got quickly clear, that we would fill the 99 places on the Viktoria. And that’s also how it happened. Punctually at 10:30 the fans the supporters of our team were complete, on the other hand only 2 supporters of the Bohs were present at the boat landing close to the Fenn bridge. Slowly we got worried to keep our promise towards Eddyline and travel together to the game. After a few tense minutes and several phone calls, it got clear that many of the traveled Irish had spent an extensive party night in Berlin and might not have heard their alarm. But no obstacle for the Bohs. Clothes on and into the taxi and breakfast in the form if beer on the boat – Union like style.

With a 15 minute delay we could depart on the now completely full Viktoria to the tunes of our club hymn and enjoy the tour through the governmental district, the center and the old town Köpenick. Of  course there were constant Union songs hammering from the board speakers for the whole trop. Interrupted only by exchanging chants of the Irish and Union fans. Arriving in the old town of Köpenick – of course to the sound of our club anthem, we all met in front of the boat for some photos together. The results of this photo session can be found in our gallery, a bit further up. Together we then marched to the stadium – where our ways parted. A grand finale of the trip with barbecue and cold drinks had to be discarded already a few days in advance because we were not able to find a location big enough to host us all. But even without that our Irish guests were thrilled by the day so far and for us it was clear: we want a revisit! In the stadium almost 16.000 visitors and filled Away section with a lot of Banners and fence flags was unique. As usual at those test games, the result is not that important. While our football gods have won the game, it got quickly very obvious that our team still needs to big six from the training bootle.

Our coaching god has only less than 4 weeks to achieve that. The goal of the Irish was celebrated by the Bohs as if they would have just won the Irish championship and the Champions league combined. But I really can feel them. Because we know this situation as well, especially from earlier times. Union played against a „big one“, receives a couple of goals and our honorary goal got celebrated like there is no tomorrow. With Sweet Caroline from the stadium speakers ended then a wonderful day, at least in the stadium and was poured on with several beers together.

Unpleasant news reached us all after the game, which is really unworthy and damages our reputation as Union family as well as our club. And before anyone wants to claim that they were provoked, let them be told clearly: that’s bullshit. Nobody was provoked, a goal celebration is no provocation that we also practice in every stadium of this country. One of our members was at the tram station and could witness everything firsthand. He was one of the Union fans who tried to interrupt the fight and provide first aid. He waited for the tram, the guys definitely spoke German and were very aggressive. They have attacked the Irish because they said they celebrated too much. Many Union fans, him included tried to get in between and took care of the Irish. One of the attackers stated in very poor English „Don’t make the macker here, it’s our stadium“ This statement makes us all speechless. Have you completely lost your minds? And to steal on top of all the Banner? There were no hools or ultras among the Irish, but families and normal football fans with who we have no rivalry, in contrary: this Irish club lives football the same way as us and looks at a lot of things in a similar way, on the topic of „pure football“. It might have only been 10 out of 15.000 Unioner but these 10 Unioner have managed to ruin a wonderful football day. We all have read in the comments of SOTU how those 10 Unioner have already in the stadium (seating area!!!) shown with explicit gestures their state of mind – next to kids in this area! I hope our club finds clear statements and refurbishment. We hope and wish the Irish fans a speedy recovery. I hope you keep your Berlin trip despite all in good memory! And a last word for those 10 Unioner: GIVE THE BANNER BACK! If you don’t know how, give it to the club. The forester’s house has for sure an address for a small package to Dublin!

4 Antworten auf „Sweet Caroline in der Alten Försterei“

  1. Nach den Vorkommnissen in Rotterdam, durften sich alle Unioner zur Schmach ständig dieses ” Mijn Feyenoord ” im Stadion auf Überlaut reindrücken lassen und bei uns wird das Original dann im Stadion gespielt und besungen ?!

    Kann man sich ja 3 x anhören und dann später gerne wieder beim Original mitsingen.

    https://youtu.be/JKfhyptDrAs

  2. Möchte mich im Namen der 15 Flitzpiepen für diesen wirklich wunderschönen Samstag auf der Viktoria mit anschließenden Spiel in unserem Wohnzimmer bedanken!! Die Vorkommnisse nach dem Spiel sind nicht zu entschuldigen!! Dieses Pack… gehört nicht zu Union. Ich(Wir) verabscheuen solche Aktionen und erwarten eine Reaktion vom Verein,um diese (Fans?) heraus zu filtern und auf Lebenszeit für jedes Stadion zu sperren!!! Ich schäme mich!

  3. Bitte das Lied. Sweed Caroline. ab jetzt bei jedem Siel in unseren Stadion spielen . Aber bitte beim warm machen oder vor unserer Hymde

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