In Ermangelung eines fußballerischen Grundes mit Unionbezug reisten wir nur wenige Tage nach dem Saisonabschluss in kleinerer Gruppe als üblich nach Ramsdorf. Denn mittlerweile kann keine Saison ohne diese Fahrt ein gutes Ende nehmen. Nachdem wir unseren zu schwach elektrifizierten Mitreisenden an jeder Ladestation verpassten, weil sich die Standortanzeige sich stets einen Hauch zu langsam aktualisierte, musste er ohne unsere solidarische Anwesenheit auskommen. Tja, nur Fußballliveticker sind schneller als die Realität.
Am Ende des Tages waren wir aber alle am Ziel und mümmelten mehrheitlich jeder für sich an einer sich zu ernstnehmenden Pizza. Durch das Saisonende fehlte uns das strukturierende Element der Vorjahre. Kein Spieltermin, auf den man hinfeier…fiebern kann, gab uns ein Ziel, vernünftige Mäßigung walten zu lassen. Regeneration und Retrospektive sind die Themen, die auf unserer To-Do-Liste stehn. Denn irgendwie ging es uns allen so, dass wir die Saison vor allem mental als vergleichsweise anstrengend empfanden. Obwohl es dafür rational wenig Gründe gab. Union war nie wirklich abstiegsgefährdet. Punktemäßig manchmal dichter an den gefährlichen Plätzen dran, so dass wir die Angst der anderen hätten riechen können. Es war so eine Saison wie drei Tage luftgetoastetes Graubrot, bei dem sich der Belag nach oben wellt. Ja, es macht satt, aber es bringt wenig Vergnügen auf mehr.
Saisonfazit
Obwohl es auch, im Detail betrachtet, ungerecht ist. Die Hinrunde war ja nicht nur punktemäßig erfolgreich, es gab auch die grandiosen Auftritte gegen die Bayern und der Heimsieg gegen Salzburg/Nord. Dennoch war in uns allen wohl die Ahnung, dass da sich eine Menge an Unstimmigkeiten zusammenbraut, die mit Stillstand nur wenig genau beschrieben ist. Anders ist die Schwankungsbreite der Leistungen nicht zu erklären. Und schon gar nicht, was nach dem Wechsel auf der Trainerposition passierte. Mit vielleicht etwas zu viel geistigen Getränken intus, haben wir dennoch erkannt, dass keinem der vielen ExpertInnen aufgefallen ist, dass Union danach mit einer Viererkette gespielt hat. Vielleicht lag es daran, dass die Aufregung über die erste Frau an der Seitenlinie irgendwie zu viel Speicherplatz belegt hat, erstes Tor einer von einer Frau trainierten Mannschaft, erster Punkt, erster Sieg…oh und noch einer.
Dabei glauben doch viele, es sei, wie die zehn Gebote auf den mosaischen Gesetzestafeln, so sehr in Stein gemeißelt, dass Union Fünferkette spielt, das alle, die das zu ändern versuchen, verdammt bis ins siebte Glied sind. Aber unsere Trainerin hat es hinbekommen. Wenn ich in alberner Stimmung, stelle ich mir vor, wie Loui vor der Tafel steht, die Viererkette erklärt und die Jungs sich die Hand vor die Stirn hauen und “ Achso, na wenn es einem so erklärt wird…” rufen. Ja, wir haben vielleicht zu viel getrunken, dann kommen einem so Gedanken… Was aber vom ersten Moment an bei uns auf den Rängen spüren war, war die Hoffnung auf Entwicklung, verbunden mit der Sorge, ob die verbleibenden Spiele reichen würden. Hamse! Womit sich der Kreis schließt und wir bei der Euphorie von vier Toren sind.
Diese Euphorie wandelt sich gerade in eine Vorfreude auf die Saison, insbesondere die der Frauen, denn was möglich sein kann, wenn Loui ein Team in der Vorbereitung hat, konnte man bei unserer U19 sehen. Also, es wird langsam Zeit, dass es wieder losgeht.
Stadt, Garten und Bad
Während Teile unserer Reisegruppe ihren Schwerpunkt auf die Regeneration legen, machen andere ein wenig Sightseeing. Der schönste Garten Ramsdorfs konnte gewählt und besucht werden. Der, den wir besuchten, hat aus uns unerfindlichen Gründen nicht gewonnen. Aber wir sind auch Großstädter, die Pflanzen genussfertig im Laden kaufen, so dass wir sehr leicht zubeeindrucken sind.
Die steigenden Temperaturen verführten uns auch zu Besuchen des sehr schönen Freibades. Auf dem Hinweg konnten wir die Macht der Feder hautnah bewundern. Der Platz vor der Burg, der vor zwei Jahren hier zwischen die Zeilen geriet, weil scheinbar willkürlich abgestellte Blumenkübel Parkplätze blockierten, wurde in einer für Berliner ungewohnten Schnelligkeit neugestaltet. Ein Wasserspiel, ein Trinkbrunnen sowie der Außenbereich eines Eiscafés und ja auch zugängliche Parkplätze verbessern jetzt die Lebensqualität.
Da so eine Ramsdorffahrt ohne Fußball sich dann doch nicht wirklich richtig anfühlt, hatte sich schon im Vorfeld eine Gruppe zusammengefunden, die den Tag der Amateure nutzen, um ein bisschen freundliches Groundhopping zu machen. Da in NRW nicht nur die Vereine, sondern auch die Fußballverbände dicht beieinander liegen, wurde sehr fachkundig gescoutet, so dass sich ziemlich schnell das Finale im Niederrheinpokal als Ziel eines Besuches durch uns herausschälte.
St.Tönis gegen MSV Duisburg
St.Tönis, ein kleiner Verein aus der Nähe von Krefeld, gab sein Heimrecht zugunsten des größeren Stadions in Duisburg ab. So nahmen wir als Eventies niemand einen Platz weg und konnten uns an den vermeintlichen Niederungen des Amateurfußballs erfreuen. Das Wedaustadion ist ein zuschauerfreundliches Stadion schon Stunden vor Anpfiff tummeln sich die Leute vor den in den Umläufen platzierten Getränkeständen. Ein Stadion, wo alle wollen, dass man da ist und eben nicht nur zum schnellen Fußballkonsum. Der MSV regelt das Finale wie es einem höherklassigen Verein angemessen ist. Vier zu eins war der Endstand, wobei anzumerken, dass der Ehrentreffer von St.Tönis von allen im Stadion gefeiert wurde. Wegen der komplizierten Verkehrssituation warten wir die Pokalübergabe nicht ab, aber auch weil wir, umringt von DuisburgerInnen, nicht einen Jubel heucheln wollten, den wir gar nicht empfanden. Dennoch war es ein wunderbarer Ausflug in unserer gar nicht so ferne Fußballvergangenheit.
Auf der Rückfahrt wurde mehrfach der Wunsch geäußert, einen von beiden in der ersten Hauptrunde zugelost zu bekommen. Nun gut, mittlerweile wissen wir es. Rechtzeitig zum Grillen sind wir zurück. Die Regenerationsgruppe wird von uns mit MSV-Liedgut bedacht. Eines führt die Billboardcharts von Ramsdorf unbestritten an: “Champions League kann jeder, Sch* auf erste Liga, Niederrheinpokalsieger EMMESSSVAUUUU!”
Weil in Berlin am selben Tag unser liebstes Hassobjekt von einem bezirklichen Nachbarschaftsverein im Berliner Poklfinale grandios weggefegt wurde, möchte ich die beiden letzten ein wenig anpassen „… BERLINPOKALSIEGER VAUUUESSSGEEEE!“
Glückwunsch nach Alglienicke?…Baumschulenweg?…Fürstenwalde? Euch hätten wir auch gern in der ersten Hauptrunde gehabt. Übrigens ein Hoch auf die Berliner Sportpolitik, die es geschafft hat, dass es die VSG Alglienicke nach Fürstenwalde verschlagen hat, weil es in der Hauptstadt nicht genügend Regionalliga-taugliche Sportstätten gibt.
Schneller als wir dreimal Spielmannszug sagen können, waren die Tage der Erholung vorbei. Am Relegationsmontag fuhren wir wieder zurück in die Schöne Stadt. Mit einigem Stolz können wir vermelden, dass wir einen historischen Moment erlebt haben, indem wir an Wolfsburg vorbeifuhren als es noch erstklassig war.

























