Oder: „So schön kann Leipzig gar nicht sein wie…“
An einem Freitagnachmittag für ein Abendspiel in die Messestadt zu fahren, klingt weniger anstrengend als es letztlich dann ist. Sofern man noch in der vollbezahlten Lohnarbeit steckt und nicht für Union in die zu Unrecht geschmähte Lifestyle-Teilzeit gewechselt hat, ist einiges an Planung, Absprache und Vorbereitung nötig. Will man einigermaßen entspannt vor Anpfiff in der Stadt der Chemiker und Lokomotivführer ankommen, muss man nicht unbedingt schon um eins Seins machen, aber die Zeit reicht bestenfalls für nen mittelgroßen Kaffee. Und selbstredend ist keine Fahrt der Bahn kurz genug, um nicht wenigstens ein Viertelstündchen Verspätung draufzupacken. Eben mehr Bahn für’s gleiche Geld.
Das vorab herausgesuchte und allgemein für gut befundene Gartenrestaurant, dass in der Selbstbeschreibung behauptet, es sei nur einen Katzensprung vom Stadion entfernt, erwies sich als ein wunderbares Beispiel für blühende Landschaft und mangelndes Verständnis für Marktwirtschaft. Rundherum blühende Bäume in der Landschaft, innen ein mittelgutgefülltes Restaurant mit einigen leeren Tischen, die verbal alle als “Reserviert” markiert werden. Wir vor uns hin alternden Zonenkinder kennen das “Sie werden platziert” noch als allgemeingültiges Prinzip der effektiven Steuerung von übermäßig großen heranmarodierenden Gästemassen während der eigenen Arbeitszeit. Den Jüngeren ist es als pandemiebedingtes Phänomen vertraut. Da auch der Biergarten, trotz des Sonnenscheins, erst am 1. Mai öffnet, gaben wir uns diesem Rudiment von Planwirtschaft geschlagen.
So wichen wir, nach kurzem Fußweg, Katzensprünge sind uns heute suspekt, in eine gutbesuchte Dönerbude aus. Das Angebot war reichlich und mit qualitativer Luft nach oben. Warum bemühten wir uns so vor dem Stadionbesuch noch was zu essen? Nunja, wir sind innerhalb unserer Bubble charakterschwache Boykottbrecher, aber eben nicht so charakterlos, dass wir mehr als die Eintrittskarte zum Umsatz des Konstruktes beitragen wollen.
Denn wir wollen von denen nichts, außer den Punkten!
Wer mehr dazu und zu dem Protest lesen will, ziehe sich den Bericht aus der letzten Saison zu Gemüte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Vielleicht wäre es dennoch wieder Zeit für schwarze Ponchos, zumindest aber für erklärende Flyer. Und ja klar, das alles geht in Salzburg/Nord nicht.
Wie so oft in großen Gästeblöcken zeigte sich auch hier, dass die mitreisenden Unioner, höflich gesagt, noch heterogener sind als üblich. Einige sind mit überwiegenden touristischen Intentionen angereist und mit Teilzeit-Unioner halbwegs gut beschrieben. Dann gibt es noch die Gruppe, die wegen der Nähe zu Berlin da sind, aber vermutlich sonst eher selten auswärts fahren. Um uns herum wurde um den Sinn des Schweigens diskutiert und reichlich konsumiert.
Ambiguitätstoleranz. Ooom!
Selbst das Zeug mit den beiden, sich den Schädel einrennenden Ochsen auf dem Etikett.
AMBIGUITÄTStoleranz. Ooooooom!
Aber wenn um einen herum die Fachabteilung Meckeropa, Auswärtstouristen aus dem blauweißen Stadtteil und die Kommission “Was kann der Fußball vom Eishockey lernen?” stehen, dann fügt sich das alles zu einem Sittengemälde, wo das Ergebnis lediglich der dazugehörige Kartoffelbreianschlag ist.
AMBIGUITÄTSTOLERANZ!!! OOOOOOOOOOMM!
Wenn dann noch zwei Grenzenlose wegen ihres Bekenntnis zum Antifaschismus angemacht werden und in der Nacht wohl zwei Unioner von rund zwanzig Brausekunden abgezogen werden, dann nehmt euer vor euch getragenes flauschige Kuschelimage und schiebt es euch dahin, wo die… Na, ihr wisst ja schon.
Im Zug zurück sitzen dann noch jüngere Unioner neben uns mit einem misogynen Weltbild, dass es den weißen, alten Mann in mir empört…
AMBI…
Mann, Mann, wat regste dich och wieda so uff…so ville Tabletten jibt’s ja gar nicht…





